Montag, 23. Februar 2009

Tod eines Puppenbauers

Jan Costin Wagner liest aus seinem neuen Kriminalroman "Im Winter der Löwen"

Von Richard Lifka

WIESBADEN. An Weihnachten ist es eiskalt. Zumindest in Finnland. Kalt war es auch in den tiefen Kellern der Weinhandlung Le Bonheur. Aber bald schon spendeten knisternde Holzscheide im Kaminofen den Gästen wohlige Wärme. Sie waren gekommen, um bei einem Glas Wein einem Autor zu lauschen, der sagt, dass es in seinen Geschichten um die Wärme des Lebens ginge, obwohl er in der Presse als der "Hohepriester der Kälte" bezeichnet wird. Die Rede ist von dem Schriftsteller Jan Costin Wagner, der es geschafft hat, als deutscher Autor mit Kriminalromanen, die in Finnland spielen, internationale Erfolge zu feiern. "Besser als Mankell", titelte eine englische Zeitung. Die Buchhandlung Vaternahm hatte den preisgekrönten Autor eingeladen, aus seinem neuen Roman "Im Winter der Löwen" zu lesen.

Ereignisreiche Weihnachten

Es ist der dritte Krimi nach "Eismond" und "Schweigen" mit dem Polizisten Kimmo Joentaa als Hauptfigur. Es sollten die ereignisreichsten Weihnachten im Leben des finnischen Ermittlers werden. Am ersten Weihnachtstag, gerade als der früh verwitwete Kommissar, der seit dem Krebstod seiner Frau Sanna, traurig und einsam durch die Zeit irrt, den Tag bei einem Glas Milch und einer Flasche Wodka verbringen will, tritt die schmale, strohblonde Prostituierte Larissa in sein Leben und quartiert sich ungefragt bei ihm ein. Eine Liebesgeschichte scheint sich anzubahnen. Etwas später wird der Gerichtsmediziner, ein langjähriger Kollege Kimmos, erstochen aufgefunden.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird die ebenso zerstochene Leiche eines Puppenbauers in Helsinki gefunden. Ein Puppenbauer, der Film- und Fernsehleichen bastelt. Am darauffolgenden Tag entkommt der Star-Moderator Kai-Petteri Hämäläinen nur knapp einem Mordanschlag. Die beiden Erstochenen, waren kurz vor ihrem Tode Gäste in Hämäläinens Talk-Show gewesen. Aus drei Perspektiven wird der Roman erzählt. Aus der Sicht des Polizisten, der Larissas und der des Täters oder der Täterin. Angestrahlt, unter einem Rundbogen im Backsteingewölbe sitzend, las Wagner sehr professionell jeweils einige Passagen aus den verschiedenen Erzählsträngen.

Stimmungsvoll wechselten sich laute, spannende Momente mit leisen, oftmals melancholischen Bildern ab. Eine eindrucksvolle, in keinster Weise kalte Sprache beschreibt eine außergewöhnliche, eiskalte Geschichte.

Jan Costin Wagner: "Im Winter der Löwen", Eichborn, 288 S., 17,95 Euro